Australien 1991

Australien. Im November 1991 sind wir aufgebrochen, Flughafen Frankfurt. Kalt und regnerisch. Außer dem üblichen Handgepäck der Motorradhelm, Pen, Insulin, Blutzuckermessgerät. Die wichtigen Dinge halt - immer am Mann (bzw. an der Frau). Die letzten Überlegungen. Nichts vergessen? War das richtig, keine Kombi mitzunehmen, nur die Endurojacke? Ob das Insulin die Hitze aushält? Was ist, wenn das Pflaster vom Katheter Hitze und Schweiß nicht übersteht?

Diese oder ähnliche Überlegungen gingen uns allen durch den Kopf. Ich hatte den Vorteil, diese Tour über rund 6000 km von Darwin nach Melbourne mit allen Abstechern und Nebenrouten schon einmal gemacht zu haben. Etwas über drei Wochen Zeit hatten wir. Für Australien definitiv zu wenig.

22 Stunden später und 16000 km südöstlich landen wir in Darwin.

meterhohe Termitenhügel im Northern Territory

Die Schwierigkeiten entstehen vor allem im Kopf. Warum sollte jemand mit Diabetes in Australien mehr Probleme haben als ein Nicht-Diabetiker? Hitze, Luftfeuchtigkeit, giftige Schlangen und Spinnen kennen da keine Unterschiede! Aber dieses Gefühl 'Ob ich das kann?' steckt halt ganz tief im Hinterkopf. Nicht ohne Grund. Über die Jahre und Jahrzehnte hat sich dieser ganze Bodensatz angesammelt. Die persönlichen Erfahrungen - man läuft nicht so schnell mit zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerwerten im Sportunterricht; man redet auch nicht so überzeugend; man hat das Gefühl, man kann sich nicht immer auf sich verlassen. Die Kommentare der näheren und nächsten Umgebung: "Vergiss nicht zu essen!" - "Hast du deinen Traubenzucker dabei?" - "Pass auf dich auf!". Vom weiteren Umfeld ganz zu schweigen. Betriebsarzt: "Leute mit Diabetes sollten nicht in der Krankenpflege oder als Arzt arbeiten!" - A: "Ich habe zwei Jahre eine Intensivstation geleitet!" - Betriebsarzt: "Bei mir hätten Sie das nicht gedurft!"


Schotterpiste im Outback


"Wir sind mit unseren Patienten die Weser 'rauf und runter gepaddelt. Das war auch schön!" sagte ein Kollege etwas indigniert nach unserer Tour. Unbestritten. Aber darum geht es gar nicht. Ich finde es gut, die eigenen Grenzen auszuloten und die eigenen Kräfte zuverlässig einschätzen zu können. Das ist für jeden wichtig, aber für Diabetiker hat es vielleicht eine besonders große Bedeutung. Wie man das macht und wie die Herausforderung aussieht, der man sich stellen möchte, das ist sicher eine sehr individuelle Geschichte. Für uns war es halt Australien mit dem Motorrad.

Dirtroad

Wir hatten alle unsere Belastungsproben: der 22stündige Flug; die Hitze; die Regenzeit im subtropischen Darwin zu Beginn unserer Tour mit ihrer extremen Luftfeuchtigkeit; das Bad in den Edith Falls - und hinterher zu erfahren, dass die Süßwasserkrokodile mit dabei waren (die tun nichts!); die giftgrünen Frösche unter dem Rand des Toilettendeckels auf dem Campingplatz; die Emus, die mit 110 km/h am Straßenrand mitliefen und partout die Straßenseite wechseln wollten; die kleinen Fliegen; die Känguruh- und Rinderkadaver auf der Fahrbahn und die Roadtrains, die sie auf dem Gewissen hatten.


Uluru

Wir hatten unsere unvergesslichen Momente: diese absolute Stille mittags im Outback, wo das Blut schneller gerann, als das BZ-Gerät messen konnte; die Scharen von Papageien, die einen morgens weckten; die endlose Weite durchzogen von schnurgeraden Straßen; der sternenklare Nachthimmel; der Dingo morgens zwischen den Zelten; dieser Felsklotz Uluru mitten in der Wüste; all die Viecher und Menschen, die diesem lebensfeindlichen Kontinent seit Jahrtausenden trotzen; die Great Ocean Road!


12 Apostel

Diese Nord-Süd-Durchquerung Downunder hat alle Teilnehmer verändert, die einen mehr, die anderen weniger! Vieles ist gar nicht in Worte gefasst worden. Es ist einfach eingeflossen in unseren Alltag und unser Leben.




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