Wenn das Blutzucker-Messgerät spinnt ...

Blutzucker-Messgerät, Teststreifen und der Benutzer sind die drei Komponenten, von denen eine präzise und verwertbare Blutzucker-Selbstkontrolle abhängt. Auf die (systembedingte) Messgenauigkeit von Ihrem Blutzucker-Messgerät und den Teststreifen wurde an anderer Stelle hingewiesen (s. TextLink 'Blutzucker-Messgeraet'). Auch auf die Umgebungsbedingungen haben Sie nur bedingt Einfluss. Dazu zählen

  • Außentemperatur
  • Höhe und Luftdruck
  • Luftfeuchtigkeit
  • Hämatokrit ('Dicke des Blutes')
  • Medikamente (Aspirin, Vitamin C, Metamizol)

Sie sollten aber wissen, wie sehr Ihr Messgerät von diesen Faktoren abhängig ist. Da gibt es durchaus Unterschiede, die durch das Messprinzip bedingt sind! Der Benutzer hat einen enormen Einfluss auf das Messergebnis!

Die Blutzucker-Selbstmessung ist ein komplexer, störanfälliger, chemisch-physikalischer Prozess. Es ist wichtig, die Störfaktoren zu kennen - und noch wichtiger, sie auch konsequent im Alltag zu berücksichtigen!

  • Aufbewahrung und Zustand der Teststreifen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit)
  • Zustand des Messgerätes (Reinigung, Testlösung)
  • Vorbereitung der Messung (Hände waschen)
  • Gewinnung des Blutstropfens
  • Aufbewahrung und Zustand der Teststreifen

Teststreifen sind anfällig gegenüber erhöhter Temperatur (s. Beipackzettel hinsichtlich des Temperaturbereiches) und Luftfeuchtigkeit. Es macht daher wenig Sinn, sie im Bad oder in der Küche zu lagern. Deckel und Wandungen der Döschen enthalten zwar feuchtigkeitsabsorbierende Stoffe. Trotzdem sollten Sie das Döschen nur zur Entnahme des Teststreifens öffnen und sofort wieder schließen. Das gilt natürlich vor allem im Urlaub in heißen Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit!

Viele Messgeräte signalisieren, wenn ein falscher Code eingestellt ist oder das Haltbarkeitsdatum der Teststreifen überschritten ist. Damit wird ein weiterer Grund für falsche Messergebnisse ausgeschaltet.

Zustand des Messgerätes

Es gibt keine systematischen Untersuchungen, über welchen Zeitraum ein gutes und genaues Blutzucker-Messgerät weiterhin präzise Ergebnisse liefern wird. Eine regelmäßige Überprüfung macht also Sinn! Die Testlösungen der Hersteller sind dazu nicht geeignet, wenn sie nur einen Messbereich (meist den normalen) testen. Die Überprüfung mit einem anderen (Patienten-)Gerät, egal ob beim Nachbarn oder in der Apotheke, kann ebenfalls keine verlässlichen Ergebnisse bringen. Dazu ist ein zulässiges Referenzsystem erforderlich. Sie sollten also mindestens einmal pro Jahr Ihr Blutzucker-Messgerät beim Diabetologen checken lassen!

Vorbereitung der Messung

Eigentlich weiß es jeder: vor dem Blutzuckermessen sollte man sich die Hände waschen! Trotzdem wird diese Empfehlung am häufigsten vernachlässigt, sei es, weil man es einfach vergessen hat, weil die Zeit drängt (Essen steht auf dem Tisch!) oder weil kein fließendes Wasser verfügbar ist! Vorsicht mit den alkoholhaltigen 'Erfrischungs-' oder 'Reinigungstüchern': damit werden Messfehler provoziert!

Wie groß sind eigentlich die Fehler, die dadurch entstehen, dass man die Hände nicht wäscht? Johanna Hortensius, eine niederländische Diabetesberaterin, hat dazu in 2011 eine Studie veröffentlicht (Diabetes Care 34:556–560, 2011). Sie untersuchte den Einfluss des Händewaschens, des Verwerfens des ersten Blutstropfens sowie des Fingerquetschens auf die Genauigkeit der Blutzuckermessung sowie auf die Genauigkeit nach einer 'Verunreinigung' (Obst schälen).

  • Die geringsten Verfälschungen ergaben sich nach dem Händewaschen;
  • Händewaschen und den ersten Blutstropfen verwerfen war nicht signifikant besser;
  • nur den ersten Blutstropfen verwerfen war fast so gut wie Händewaschen!
  • Pressen oder 'Melken' der Finger führte zu stärkeren Abweichungen!

Fazit:

Am besten vor dem Messen die Hände waschen! Wenn das nicht möglich ist, den ersten Blutstropfen verwerfen und den zweiten benutzen!

Übrigens: Während der EHEC-Epidemie haben sich viele Patienten Sagrotan-Gel oder ähnliche Präparate für unterwegs aufschwatzen lassen ('man hat ja unterwegs nicht immer fließendes Wasser...'). Damit bekommt man garantiert falsch hohe Blutzuckerwerte!

Gewinnung des Blutstropfens

Über den ungünstigen Einfluss des Quetschens wurde bereits berichtet.

Die Möglichkeit, alternative Stellen zum Testen zu benutzen, hängt nicht so sehr vom Blutzucker-Messgerät oder Teststreifen ab, als von der Stechhilfe. Die Benutzung dieser Stellen führt nicht zu 'falschen' Werten. Sie müssen jedoch berücksichtigen, dass der Gewebszucker der Blutzuckerbewegung um 10 bis 30 Minuten hinterher hinkt!

Im Verlauf der letzten Jahre ist die zur Messung erforderliche Menge Blut immer geringer geworden. Das ist für die Betroffenen sehr vorteilhaft, hat aber auch seine Kehrseiten! Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie wollen den BZ kontrollieren, haben sich bereits in den Finger gepiekst. Das Telefon klingelt. Sie gehen dran, um mitzuteilen, dass Sie sooofort gesprächsbereit sind. Schnell noch den Teststreifen aus der Dose gefummelt und gemessen. Zwischen Pieksen und Blutauftragen sind vielleicht 20 bis 30 Sekunden vergangen. Das reicht aus, um gehörige Abweichungen zu provozieren (Verdunstung)! Je geringer der Blutbedarf, um so größer die Störung!

Blutzucker-Messgerät und Teststreifen


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