Mein besonderes Blutzucker-Messgerät: hat viel mitgemacht und war seiner Zeit weit voraus!



Ein Blutzucker-Messgerät hebt man im Allgemeinen ja nicht auf, wenn es seine Pflicht und Schuldigkeit getan hat und ausrangiert werden muss. Es gibt jedoch Ausnahmen! Vor einigen Tagen war mal wieder eine dieser Aufräumaktionen notwendig. Dabei fiel mir eine Kiste in die Hände mit Diabetes-Utensilien aus vergangenen Tagen. Und da war auch 'Romeo', mein mittlerweile 25 Jahre altes Blutzucker-Messgerät, das mich etliche Jahre begleitet hat und einiges mitmachen musste: mehrere Stürze mit dem Motorrad; extreme Luftfeuchtigkeit und Temperaturen in den Tropen Australiens und Indonesiens; den in alle Ritzen dringenden feinen roten Sand im Outback; Schnee, Frost und Kälte in den Alpen; durchnässt und mit dem Fön getrocknet.

'Romeo' liess sich per Software für die Benutzung der damals verfügbaren Blutzucker-Teststreifen Dextrostix von Ames und Haemo-Glukotest von Boehringer Mannheim programmieren. Die Hersteller-Firma 'Diva Medical Systems' selbst produzierte keine Teststreifen. Das war schon außergewöhnlich genug; wurden Blutzucker-Messgeräte ansonsten doch nur von Teststreifen-Herstellern produziert.

'Romeo' war für die damalige Zeit stylish: flach und nur wenig größer als ein heutiges iPhone. Die Tasten trugen Icons, Symbole, die den Verwendungszweck erklärten: ein Blutstropfen für die Blutzuckermessung, eine Insulinampulle für die Eingabe der Insulindosis, Messer und Gabel für die BE-Eingabe; ein Sprinter für die körperliche Aktivität. Es gab sogar eine Taste für die Eingabe der Urinuntersuchung auf Azeton (viele Patienten hielten das allerdings für die Taste, mit der man die Zahl der Cocktails eingibt!).

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Auch 1987 ging es schon ums Geld und die Halbierung der Teststreifen war eine verbreitete Methode, um die Kosten zu reduzieren. Bei 'Romeo' konnte man den Schlitten, der den Teststreifen aufnahm, austauschen gegen ein Teil, das auch die halb so breiten Teststreifen akzeptierte!

Es gab auch eine Schnittstelle an der Frontseite, die signalisierte, dass 'Romeo' noch mehr konnte. Schließlich speicherte er rund 1000 Datensätze.


Romeo


Dieses Blutzucker-Messgerät kam nicht allein! Zu 'Romeo' gehörten 'Julia', ein Thermodrucker für die Patienten, mit dem man sich die Statistik und Grafik wochenweise ausdrucken lassen konnte, sowie 'Homer', die Software für den Arzt, die den Vergleich mit heutigen Produkten nicht scheuen muss.

Das Internet fing damals gerade erst an. Es gab noch keine Webbrowser, kein DSL und keine Router. Aber es gab Akustik-Koppler, abenteuerlich aussehende Geräte mit Gummi-Manschetten, in die man den Telefonhörer pressen musste. Damit konnte man Daten übertragen. 'Romeo' konnte auf diese Weise Daten übertragen und 'Homer' konnte so Daten empfangen!

Auf diese Art und Weise und mit wöchentlicher Datenübertragung der Blutzuckerwerte konnten wir einer schwangeren Typ 1-Diabetikerin, die ein paar Hundert Kilometer entfernt lebte und nicht regelmäßig in die Ambulanz kommen konnte, zu einem normgewichtigen Knaben verhelfen.

Was aus 'Romeo', 'Julia' und 'Homer' geworden ist? Sie waren zu teuer. 1000 DM kostete das System. Niemand fühlte sich dafür zuständig, die Kosten zu übernehmen. Krankenkassen? - 'Blutzuckermessen ist eine ärztliche Tätigkeit! Patienten dürfen das gar nicht!'. Ärzte? - 'Ob ich einen Patienten gut oder schlecht behandle, bringt mir die gleiche Vergütung! Wozu investieren?'. Patienten? - Einige wenige haben es sich gekauft!

Mitte der 90er musste Diva Medical Systems, diese kleine amerikanische Firma mit dem internationalen Team und Firmensitz in Maastricht, aufgeben.


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