Blutzuckerteststreifen oder
Im Gesundheitswesen ist Geiz immer noch geil!

Vor einigen Tagen erschien in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung ein Artikel über - nein, nicht über Blutzuckerteststreifen - aber über die seit Jahren laufenden Billigheimer-Kampagnen einiger Unternehmen. Die Käufer seien zunehmend dadurch abgestoßen, fühlten sich degradiert, würden auf Qualität bestehen. Einige Unternehmen wie Schlecker oder Praktika seien auch dadurch in eine wirtschaftliche Schieflage geraten.




WAZ vom 28. Januar 2012






Im Gesundheitswesen und in der Diabetologie ist diese Botschaft noch nicht angekommen. Seit Monaten gibt es hinter den Kulissen Gerangel und Verhandlungen zwischen den Krankenkassen einerseits und Apothekerverbänden und Kassenärztlichen Vereinigungen andererseits. Die Abmachungen sind teilweise skurril: da wird Apothekern gedroht, dass sie einen Regress zahlen müssen, wenn sie nicht mindestens 10% der Patienten auf billige Blutzuckerteststreifen, sogenannte B-Streifen, umstellen - wohlgemerkt entgegen der ärztlichen Verordnung! Die in Frage kommende Zielgruppe ist schnell ausgemacht: ältere Patienten, die die wirtschaflichen Hintergründe nicht kennen und vertrauensvoll dem bedrängten Apotheker folgen und ihre Krankenkasse schonen wollen. Am Freitag haben sie in der Apotheke zwischen Tür und Angel das neue Messgerät erklärt bekommen und am Montag stehen sie als 'Notfall' in der Diabetes-Praxis, weil sie mit dem Gerät nicht klar kommen. Klar, weder die Krankenkasse, noch der Apotheker können abschätzen, wie sich die bekannte Parkinson-Erkrankung und die Maculadegeneration auf die Handhabung der Geräte auswirken.


Krankenkassen-Anschreiben




Oder die Patienten bekommen ein Schreiben ihrer Krankenkasse, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Kasse bislang keine Zusatzbeiträge erheben musste; aber jetzt müsse an den Blutzuckerteststreifen gespart werden! Empfohlen wird ein Messgerät der Firma XY (ist nur Großhändler, importiert aus Korea), dass die Krankenkasse 'geprüft und für sehr gut befunden hat'. Kein Hinweis auf das Prüfverfahren, kein Hinweis auf eine Veröffentlichung. Aber ein Hinweis darauf, dass 50 Blutzuckerteststreifen nur 21€ kosten, während die durchschnittlichen Preise bei 31€ lägen. Jeder Großhändler, der mit Krankenkassen abrechnet, würde bei solchen Zahlen weinen! Wohlgemerkt, es gibt Hersteller, die durch ihre Marktposition die Macht haben, Preise zu beeinflussen; es gibt Ärzte, denen es egal ist, womit ihre Patienten den Blutzucker bestimmen und wie verlässlich die Ergebnisse sind; und es soll auch Patienten geben, die ihre Blutzuckerteststreifen bei Ebay verhökern.

Aber dabei darf man doch nicht vergessen, dass diese Blutzuckerteststreifen ein für Diabetiker unverzichtbares Werkzeug sind! Und dieses Werkzeug muss für die Aufgabe geeignet und zuverlässig sein - das muss nachgewiesen und überprüft sein! Dr. Freckmann aus Ulm hat 2010 die Ergebnisse seiner Untersuchungen von BZ-Messgeräten veröffentlicht: 40% der 27 Geräte waren zu ungenau!(DIABETES TECHNOLOGY & THERAPEUTICS Volume 12, Number 3, 2010).

Die Bestrebungen, die gesetzlichen Ansprüche an die Qualität und Genauigkeit der Teststreifen zu erhöhen, sind zögerlich! Warum eigentlich? Wenn man die schärferen Kriterien der Amerikanischen Diabetesgesellschaft, die für 2012 geplant(!) sind, angelegt hätte (5-10% Abweichung), dann hätte keines der von Dr. Freckmann geprüften Geräte bestanden ...

In der Schulung machen wir uns viel Mühe, für jeden Patienten das geeignete Messgerät zu finden und den Umgang damit zu trainieren. Wozu die Mühe, wenn niemand sagen kann, ob er nicht nächste Woche von seiner Kasse ein 'günstigeres' Gerät bekommt?

Die Marketingstrategie vieler Firmen fällt in die gleiche Schublade: jeder, der irgendwie mal seine Adresse kundgetan hat, bekommt ein neues Messgerät zuschickt. Egal, ob er dafür geeignet ist oder nicht.

Für Krankenkassen ist es wichtig zu verstehen, dass gleicher Zweck nicht automatisch gleiche Qualität bedeutet! Die Kriterien, die für eine Zulassung der Messgeräte und Teststreifen zu erfüllen sind, bilden diese Qualität nicht ab!

Überhaupt: was nutzt schon die Blutzuckermessung ohne Auswertung, gemeinsam in der Schwerpunktpraxis und zuhause? Auch dazu bedarf es geeigneter Werkzeuge; und das, was viele Hersteller da abgeliefert haben, sind keine Ruhmesblätter!

Aber andererseits: ohne die Schulung, die grundlegendes Wissen vermittelt; die zeigt, wie man neues Wissen erwirbt; die zeigt, wie man mit den dazu erforderlichen Werkzeugen umgeht, wäre ein erfolgreiches Diabetes-Management nicht möglich. Die positive und fördernde Rolle der Industrie in diesem Zusammenhang zu leugnen, wäre unfair! Diese Komponenten auseinander zu dividieren und getrennt zu beurteilen, entspricht einem frühindustriellen Taylorismus wie ihn das IQWiG-Institut pflegt.

Was ist das Fazit? - Geiz ist nicht geil, schon gar nicht im Gesundheitswesen! Wir brauchen nicht weniger Angebote und Vielfalt, sondern mehr Qualität! Weniger Hochglanz-Broschüren, sondern mehr Kundennähe (gilt für Industrie und Krankenkassen). Mehr Orientierung an unserem gemeinsamen Nenner: dem Wohlergehen des Patienten!


Von den Betroffenen, den Patienten, würde ich gerne wissen:

Wie Sind Sie eigentlich zu Ihrem Messgerät gekommen?

Seien Sie doch so nett und füllen den Fragebogen aus! Danke!




Ihr Blutzucker-Messgerät

Please note that all fields followed by an asterisk must be filled in.
beim Hausarzt
beim Diabetologen
in der Apotheke
vom Hersteller
vom Versandhandel
von meiner Krankenkasse
Größe und Gewicht
Design
erforderliche Blutmenge
erforderliche Messzeit
Genauigkeit
statistische Funktionen im Gerät
Anschlussmöglichkeit an den PC
war umsonst
gar nicht
ein wenig
überwiegend
voll und ganz
ich benutze ausschließlich ein Tagebuch
ich benutze eine Software
der Apotheker druckt die Werte aus
mein Hausarzt liest die Werte aus
mein Diabetologe liest die Werte aus
ja
nein
ja
nein

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Blutzuckerteststreifen und Stoffwechsel-Ziele


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