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Oliver Ebert zur 'Zukunft von Blutzucker-Selbstkontrolle und CGMS'

Sie haben Erfahrung mit CGMS? Lassen Sie uns teilhaben! Klicken Sie hier!

Welche Entwicklungen zeichnen sich ab? Technologisch und politisch?

Meiner Einschätzung nach wird es in absehbarer Zeit erhebliche Einschnitte bei der Erstattung von Geräten und Streifen geben: ich denke, dass die Verordnungsfreiheit des Arztes künftig nicht mehr in der bislang bestehenden Form weiterbestehen wird. Es wäre möglich, dass die gesetzlichen Grundlagen dahingehend geändert werden, dass Geräte/Teststreifen nur dann noch verordnet werden, wenn die Kasse bzw. Versicherung einen entsprechenden Vetrag mit dem Hersteller geschlossen hat.

In technischer Hinsicht erwarte ich für die nächsten 3-4 Jahre leider keine revolutionären Neuerungen. Die Messtechnik ist schon sehr ausgereift; komplett neue Ansätze (zB per Infrarot, Lasermessung durch Auge etc.) dürften noch einige Jahre bis zur Serienreife benötigen.

Oliver Ebert

Welchen Stellenwert haben Blutzucker-Selbstkontrolle (BGSM) und Kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGMS) heute und werden sie innerhalb der nächsten 5 Jahre haben?

Die BGSM ist meines Erachtens sehr wichtig für die Patienten; die Kontrolle und dadurch eröffnete Korrekturmöglichkeit des Stoffwechsels sichert Lebensqualität. Für die Teilnahme am sozialen Leben (zB Autofahren) ist die BGSM ebenfalls nicht wegzudenken. Eine Stoffwechselanalyse durch kontinuierlichen Mess-Systeme bringt sicherlich in einigen Anwendungsfällen (z.B. Neueinstellungen, Nachtphasen, etc.) erheblichen Nutzen; ein Ersatz für die BGSM wird sie aber wohl allein aus Kostengründen kaum werden können.

Welche Alleinstellungsmerkmale besitzen CGM-Systeme? Sind diese Merkmale relevant für die Kostenträger?

Die CGM-System unterscheiden sich im Wesentlichen durch die eingesetzten Verfahren, die Messtechnik und die Ausstattung. Relevant für die Kostenträger dürfte aber insgesamt allein der evidente Nutzen sein, d.h. der Nachweis, daß der Einsatz eines solchen Systems wirklich medizinischen Sinn macht.

Welche unverzichtbaren Informationen sollte die softwaremäßige Analyse der CGM-Daten (Medtronic, Abbott, Dexcom, diabass) liefern, die die herkömmliche punktuelle Blutzucker-Selbstkontrolle nicht liefert?Wie könnte eine optimale Analyse der CGM-Daten aussehen? Welche Schwierigkeiten wären damit lösbar?

Das Problem ist, dass allein die Glukosedaten nicht ausreichen, um eine umfassende Analyse zu ermöglichen. Außer durch Insulin, Medikamente, Bewegungsverhalten und Nahrungsaufnahme wird der Blutzucker auch durch Hormonstatus, psychischen Zustand und andere Faktoren wie beispielsweise Blutdruck beeinflußt. In jedem Fall kann eine engmaschige bzw. lückenlose Analyse von Messpunkten wertvolle Trendinformationen liefern, die bei einer punktuellen Messung verloren gehen. Dadurch können auch kurzzeitige Spitzen und Schwankungen entdeckt und deren Auswirkung auf die Gesamtstoffwechsellage besser bewertet werden.

Welche Fehler machen die Beteiligten (Patienten, DiabetesberaterInnen/Assistentinnen, Ärzte, Krankenkassen) zur Zeit im Hinblick auf die Blutzucker-Selbstkontrolle?

Meines Erachtens wird vielmals unnötig gemessen: starre Messzeiten machen beispielsweise nur Sinn, wenn der Patient auch eine entsprechend wenig flexbible Lebensführung hat. Auch werden von bestimmte Tages- und Nachtzeiträume von vielen patienten mitunter auch über Jahre nicht durch Messungen abgedeckt: treten dort Unregelmäßigkeiten auf, so können diese unerkannt den Stoffwechsel beeinflussen. Wichtig sind daher m.E. möglichst verteilte Messungen, welche regelmäßig auch die gesamten 24 Stunden eines Tages abdecken, Auch sollte man nur messen, wenn das ungefähre Ergebnis nicht ohnehin schon feststeht: ein Patient, der erhebliche Hypo-Symptome feststellt und diese anhand des vorausgegangenen Spritz/Essverhaltens auch plausibel sind, muß dies nicht unbedingt nochmals durch eine Messung bestätigen. Schließlich macht eine Selbstmessung m.E. nur dann Sinn, wenn der Patient hieraus auch die entsprechenden Konsequenzen (Spritzen, Essen, etc.) zieht und ziehen kann.

Oliver Ebert ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Internet-Recht in Stuttgart. Er ist darüber hinaus Geschäftsführer einer Software-Firma und seit rund 20 Jahren Entwickler der Software 'diabass' zur Auswertung von Blutzucker-Messgeräten.



Prof. Heinemann zu CGMS

Dr. Thomas zu CGMS

Dr. Kolassa zu CGMS


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