Gute Erfahrung mit CGMS: FreeStyle Navigator (2.Teil)

by Hans-Joachim Schleißheimer
(Germany)

Ergänzend zu meinem vorherigen Erfahrungsbericht, möchte ich gerne noch auf ein paar Argumente eingehen, die ich hier gelesen habe.

1.) Intensivierte Insulintherapie
Die Kenntnis aller möglichen Einflussfaktoren (Essen, Bewegung, Stress, Hormone, etc.) auf den Blutzuckerwert ist wichtig, wenn man darauf angewiesen ist, mit wenigen Blutzuckermessungen pro Tag den weiteren Verlauf zu exprapolieren. Das ist der Kern der intensivierten Insulintherapie.
Erfahrungsgemäss ist das aber ein stumpfes Schwert! Denn in der Regel sind die meisten Faktoren für den Patienten gar nicht messbar, wirken bei jedem Patienten anders und verhalten sich sogar in Kombination mit anderen Faktoren chaotisch. Man verbringt sehr viel Zeit mit Beobachtungen und Auswertungen, Gesprächen und Diagnosen. Der Wert bleibt für den Patienten gering!

Seitdem ich die CGMS einsetze und gelernt habe damit umzugehen, habe ich ein Werkzeug, mit dessen Hilfe ich eine sehr wirkungsvolle Insulintherapie umsetzen kann und das ohne, dass ich mir Gedanken über irgendwelche esotherischen Einflüsse machen muss.

Die Regeln sind denkbar einfach:
- Wert zu hoch (>140 mg/dL): Spritzen, wieviel?
Erstmal (Wert-Zielwert)/50 Einheiten
- Wert zu niedrig (<60mg/dL): Ich kann mir ein Fruchtjoghurt leisten.
- Wert zwischen 60-140: Alles ok.

Dann kommt noch die Trendanzeige ins Spiel. Ich sehe ob der Wert gerade steigt oder fällt und wie stark. Das kann ich mit einkalkulieren.

Dann habe ich sehr gut gelernt, wie lange Insulin und Essen braucht um Wirkung zu zeigen. Also, nicht zu schnell korrigieren. Lieber ein wenig warten und später nochmal eingreifen.

Und zum Schluß: Was habe ich vor?
60Minuten Joggen?
Dann stelle ich den Wert auf 200 stabil oder 160 steigend ein. Danach ist er dann bei 80. Außerdem habe ich ihn ständig im Auge und kann notfalls korrigieren.
Oder 60Minuten tauchen? Dann besser 260stabil oder 230steigend, denn unter Wasser merkt man Unterzuckerungen schlecht und der Empfänger liegt im Boot.

Alle sonstigen Einflussgrößen sind irrelevant! Sie drücken sich nur in der täglichen Insulinmenge aus.

Es entsteht ein einfacher Regelkreis aus:

CGMS -> Insulinmenge/Essen -> Körper -> CGMS

Erlernen muss man das Verhalten der Regelgrößen(Insulin/Essen) auf die Regelstrecke (Körper) mit Auswikung auf die Messgröße (Blutzucker). Dazu braucht man ein paar Monate. Ein Test über ein paar Tage ist wenig hilfreich.

Meine Erfahrungen sind ausgesprochen gut.

Die wissenschafliche Auswertung der massenhaft gewonnenen Messdaten und Einflussgrößen, bleibt damit künftigen Generationen von Dokoranden vorbehalten. Für mein tägliches Wohlbefinden spielen sie keine Rolle mehr.

2.) Verzögerung zwischen angezeigtem Messwert und Blutzuckerwert
Diese Verzögerung ist nur bei niedrigen Werten relevat. Man lernt aber schnell damit umzugehen. In der Praxis habe ich damit kein Problem.

3.) Genauigkeit
Auf Grund der Verzögerung stellen sich schon Unterschiede zum Blutzuckerwert ein. Auch wenn der Wert stabil ist, sind die Abweichungen zwischen Blutzuckerwert und Anzeigewert oft bei bis zu 15%.
Das halte ich jedoch für unwichtig. Im Endeffekt spielt es keine Rolle ob der Wert bei 240 oder 280 liegt. Er ist zu hoch, ich muss was tun.

4.) Kosten/KK
Natürlich wäre es schön, wenn die KK die Kosten wenigstens teilweise erstatten würde. Aber auch wenn sie es nicht tut, ist für mich der Gewinn an Lebensqualität (und hoffentlich auch -dauer) und Gesundheit das Geld auf jeden Fall wert.

5.) Sensor
Das Einbringen und Tragen des Sensors ist ein wirklich geringes "Opfer". Nach 22Jahren Diabetes und geschätzt 65000 Injektionen, ist der Piekser kaum der Rede wert.
Die häufige Blutentnahme in den Fingern ist erheblich aufwändiger und schmerzhafter.

6.) Ersatz von Blutzuckermessungen
Nach meiner Erfahrung kann man mit diesen Systemen durchaus die Blutzuckermessung deutlich reduzieren.
Ich messe durchschnittlich nur noch 1,2 mal pro Tag.

7.) Zukunft
Empfänger: Ist eigentlich überflüssig. Heute läuft jedes Kind mit einem Smartphone rum. Was fehlt ist einfach eine kleine Empfängereinheit und ich brauche mich nicht mehr mit vorsintflutlichen, monochromen DSTN-Displays rumärgern.
Sender: Ist egentlich perfekt. Klein und robust.
Sensoren: Die sind um den Faktor 20 zu teuer. Das dürfte der Hauptgrund sein, der gegen einen dauerhaften und breiten Einsatz spricht.

Für mich ist die CGMS die wichtigste Entwicklung in der Diabetesforschung, gleich hinter der Entdeckung des Insulins.

Click here to post comments

Join in and write your own page! It's easy to do. How? Simply click here to return to Erfahrungen mit CGMS.


Hier können Sie direkt auf meiner Website suchen:
Benutzerdefinierte Suche


Benutzen Sie ein Smartphone? Was ist Ihre Lieblings-Diabetes-App?

klicken Sie hier!



mit Diabetes und Bike downunder (Video)

Diabetes STOPPEN