Mein Weg zum und mit CGMS!

by Regina Trenktrog
(Schuby, Deutschland)

Vor einem Jahr erkrankte ich als 51Jährige an DM Typ1. Trotz der schweren Diagnose akzeptierte ich die Krankheit recht schnell und lernte mich auch Dank meiner kompetenten Diabetes-Praxis damit zu arrangieren. Als stark belastend empfand ich aber täglich aufs Neue den "Blutzucker-Blindflug", mit dem man sich durch den Tag und vor allem durch die Nacht bewegt. Deshalb entschloss ich mich recht bald dazu, ein CGMS auszuprobieren. Davon gelesen habe ich vor allem im www., wo ich in den unterschiedlichsten Foren immer wieder auf dieselben Insider der Szene stieß, Joa und Andreas. Diese beiden und die Erfahrungsberichte in der CGM- und Insulinpumpenfibel von Ulrike Thurm und Bernhard Gehr haben mich sehr in meinem Entschluss bestärkt.
In meiner Dia-Praxis bot sich zum Ausprobieren das Kombisystem der Veo an, das mir beim einwöchigen Probetragen mit Einschränkungen recht gut gefiel. Eine Pumpe sollte es auf jeden Fall werden und auch ein CGMS. Ich wollte nur nicht ständig mit dem Katheter kämpfen und das CGMS im Winter mit plumpen Handschuhfingern unter fünf Kleidungsschichten hervorwühlen müssen. Das heißt dann aber auch, zwei Geräte dabei haben zu müssen! Also fiel meine Wahl auf die Omnipod von Ypsomed und den Freestyle Navigator von Abbott, der der absolute Mercedes unter den CGMS sein sollte.
Bestellen aber musste ich den Navigator ohne eigene Erfahrungen auf gut Glück, denn die Firma stellt keine Probegeräte zur Verfügung. Meine Ärztin muss sich also selber ein Gerät kaufen, um dem Patienten gegen Entgelt ein Probetragen zu ermöglichen! Eine nicht gerade geschäftstüchtige Vermarktung!
Bestellt habe ich den FN dann trotzdem und möchte ihn nicht mehr missen. Er gibt mir im Alltag soviel Sicherheit, dass ich seitdem wieder viel ruhiger geworden bin. Diese unterschwellige Angst vor Hypos hat mir doch mehr zu schaffen gemacht, als ich mir zunächst eingestanden habe.
So genügt ein kurzer Blick aufs Display während des Unterrichts in der Schule, vorm Autofahren oder beim Radfahren, wo ich den FN in einer Handytasche am Lenker befestigt habe, um mir den derzeitigen Wert, aber vor allem den Trend anzuzeigen. Fünf verschiedene Pfeilrichtungen geben die Richtung an, in die mein Zuckerwert sich augenblicklich bewegt, von steil nach oben bis steil nach unten. Zusätzlich kann ich akustische Warnsignale programmiern, die rechtzeitig vor Erreichen der Schwellenwerte Alarm auslösen, natürlich besonders vor Hypos. So ein CGMSWert hinkt dem aktuellen BZwert immer um 15 bis 20 Minuten hinterher, da er nur im Zwischenzellwasser gemessen wird. Mein FN warnt mich deshalb eine halbe Stunde vor Erreichen der Grenzwerte, sodass mir immer noch mindestens 10 Minuten bleiben, um rechtzeitig zu agieren. Das kann beim Sport schon mal bei Werten von 130 oder 150 passieren, einfach toll. Meine Schüler wissen auch genau Bescheid über meine Hilfsmittel und helfen mir: "Frau Trenktrog, Sie piepsen, Sie müssen Gummiteddies essen!" Das ist mittlerweile normal für mich und meine Umgebung, alle haben Verständnis dafür und interessieren sich sogar für die Technik. Und meine jüngeren Schüler machen sich einen Spaß daraus, immer mal wieder mein CGMS oder meine Pumpe unter meiner Kleidung zu orten. "Ah, heute tragen Sie ihr Messgerät am linken Arm, stimmt's?"
Für die Pumpe reserviere ich mir Bauch und unteren Rücken, für den FN beide Oberarme. Beide behindern mich überhaupt nicht, im Gegenteil: Ich vergesse, dass sie dort sitzen, und bleibe manchmal daran mit der Kleidung oder am Türrahmen hängen, also Vorsicht!
Kann man sich aber auf die Werte verlassen, die der FN anzeigt? In den Foren liest man auch von sehr schlechten und bösen Bewertungen. Ich selber lege großen Wert auf eine sehr genaue Erstkalibrierung in den ersten beiden Stunden. Wenn man da besonders auf einen gleichmäßigen BZVerlauf achtet, sodass BZwert und Zwischenzellwert die größtmögliche Ähnlichkeit aufweisen, dann liefert mir der FN Superwerte, aber auch nur dann. Im Umkehrschluss muss ich mich nicht wundern, wenn die Abweichungen zu groß werden. Deshalb setze ich mir den Sensor möglichst immer am frühen Morgen neu und zögere das Essen bis zur zweiten Messung hinaus.
Und was die Kosten betrifft: Meine private Kankenkasse hat ohne Gutachten und Indikation, nur nach Erklärung meinerseits, die Kosten zunächst für ein Jahr übernommen, um dann anhand der Tagebücher neu zu entscheiden.
Die Beihilfe SH tat sich schwerer, hat aber nach einmaligem Widerspruch auch die Kosten erstattet.
Um Sensoren zu sparen, aktiviere ich manchen Sensor ein weiteres Mal, was auch gelingt. Und die Fehlermeldungen halten sich in meinen ersten fünf Monaten auch in Grenzen. Probleme gab es nur nach einem Tag Safarifaht im KrügerPark auf Buckelpisten, die dem Sender zu schaffen machten. Die kleinen Kontakte konnte ich aber wieder zurecht biegen, sodass die Batterien akzeptiert wurden.
Geduld haben muss man nach dem Batteriewechsel im Sender, denn dann gibt es leicht Fehlermeldungen. Abhilfe schafft ein wiederholtes "Wiederanschließen" übers Menu oder ein erneutes Einlegen der Batterien. Aber das lernt man mit der Zeit kennen.
Und mit dem Empfänger sollte man auch pfleglich umgehen, denn der ist nicht so robust wie die Veo, also immer schön im Täschchen lassen!
Ich kann nur jedem den Freestyle Navigator wärmstens empfehlen, gerade weil er wegen seiner Messdichte so genaue Werte liefert, und möchte ihn nicht mehr missen! Er hat mir in Verbindung mit der Omnipod ein wertvolles Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit zurückgegeben!




Comments for Mein Weg zum und mit CGMS!

Average Rating starstarstarstarstar

Click here to add your own comments

Jul 08, 2012
Rating
starstarstarstarstar
CGM-Technologie erfolgreich und sicher anwendbar von Diabetespatienten! - Danke fuer den Bericht
by: Martina

Liebe Regina Trenktrog,

Ich bin schwer begeistert von Ihrem Bericht und wuensche diesem viele, viele Leser! Ich teile Ihre Erfahrungen voll und freue mich zugleich sehr fuer Sie persoenlich, dass Sie bereits nach einer recht kurzen Diabetesdauer mit der fuer Sie richtigen Therapieform ausgestattet sind.
Einer der Beweise, dass die CGM-Technologie von Patienten angewendet werden kann!!!

Liebe Regina, haben Sie auf Andreas' Seite die Sache mit der Codierung verfolgt? Ich verwende selbst jetzt statt Code 16 den Code 17 und komme prima damit hin. Ich empfehle im Vorfeld dringend Vergleichsmessungen mit einem Laborgeraet durchzufuehren!

Viele Gruesse, Martina


Click here to add your own comments

Join in and write your own page! It's easy to do. How? Simply click here to return to Erfahrungen mit CGMS.


Hier können Sie direkt auf meiner Website suchen:
Benutzerdefinierte Suche


Benutzen Sie ein Smartphone? Was ist Ihre Lieblings-Diabetes-App?

klicken Sie hier!



mit Diabetes und Bike downunder (Video)

Diabetes STOPPEN